Der Dolmar - der Blick von Christes

Befestigte Höhensiedlung am Dolmar

Ein bedeutendes Bodendenkmal der Eisenzeit in Thüringen

Die befestigte Höhensiedlung auf dem Dolmar zählt zu den spannendsten archäologischen Zeugnissen Thüringens. Als Teil des beliebten Keltenerlebniswegs bietet das Bodendenkmal nicht nur beeindruckende Natur, sondern auch faszinierende Einblicke in die frühe Besiedlungsgeschichte der Region.

Bodendenkmal am Keltenerlebnisweg am Dolmar in Thüringen
Bildaufnahme aus den 90iger Jahren von Jürgen Schlütter

Historisches Bodendenkmal auf dem Dolmar

Das Gipfelplateau des 740 Meter hohen Dolmars – in der Fachsprache als Zeugenberg bezeichnet – wird von einer imposanten, ovalen Wallanlage umschlossen. Mit einer Ausdehnung von etwa 500 × 180 Metern umfasst sie eine geschützte Innenfläche von rund 7,3 Hektar. Diese Dimensionen verdeutlichen die strategische Bedeutung der Anlage in vorgeschichtlicher Zeit.

Archäologische Untersuchungen durch das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in den Jahren 1994 und 2006 lieferten entscheidende Erkenntnisse:

Durch angelegte Wallschnitte konnte eine typische Befestigungskonstruktion aus Stein und Holz nachgewiesen werden. Diese Bauweise ist charakteristisch für frühe eisenzeitliche Siedlungen.

Datierung & kultureller Hintergrund

Keramikfunde belegen ältere vorrömische Eisenzeit

Keramikfunde belegen, dass die Höhensiedlung in die ältere vorrömische Eisenzeit datiert – konkret in das 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. Diese Epoche entspricht der sogenannten Hallstattzeit (ca. 800–450 v. Chr.), die nach bedeutenden Funden im österreichischen Hallstatt benannt ist.

Die Hallstattzeit markiert den Beginn der Eisenverarbeitung in Mitteleuropa. Sie ist geprägt von weitreichenden Handelskontakten, unter anderem mit dem Mittelmeerraum, sowie von gesellschaftlichen Strukturen, die sich in reichen Fürstengräbern widerspiegeln. Auch in Thüringen lassen sich zahlreiche Spuren dieser Zeit nachweisen.

Mit der darauffolgenden Latènezeit (ab etwa 450 v. Chr.) setzte sich die keltisch geprägte Besiedlung fort. Archäologische Zeugnisse wie Grabhügel und weitere Höhensiedlungen – etwa die bekannte Steinsburg bei Römhild – belegen diese Entwicklung eindrucksvoll.

Erst deutlich später traten germanische Gruppen, darunter die Thüringer, in der Region in den Vordergrund.

Landschaft & Umfeld der Siedlung

Natürliche Quellen sowie Ackerterrassen aus dem Mittelalter

Das Umfeld der Befestigungsanlage am Dolmar ist ebenfalls von großer historischer Bedeutung. In unmittelbarer Nähe befinden sich natürliche Quellen sowie Ackerterrassen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, die auf eine kontinuierliche Nutzung der Landschaft hinweisen.

Aussichtspunkt der Dolmar, mit einem weiten Blick in die Ferne
Blick vom Dolmar in die Ferne - ©2016 Ulrich Schmidt

Unser Tipp: Weitblick & Spurensuche in der Region

Bei klarem Wetter eröffnet sich vom Dolmar aus ein beeindruckendes Panorama über die Rhön und das umliegende Land. Besonders markant sind der Oechsen und der Dietrichsberg im Nordwesten der Rhön. Auch dort wurden Spuren früher Besiedlung entdeckt – beispielsweise im Bereich des Keltendorfs Sünna.

In südlicher Richtung sind die Gleichberge zu sehen. Dort befindet sich das Steinsburgmuseum, das mit wissenschaftlicher Dokumentation einen tiefen Einblick in die keltische Besiedlungsgeschichte der Region bietet und die Funde rund um die Steinsburg anschaulich erklärt.

Dass unsere engere Heimat bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war, belegen zudem eindrucksvoll die Hügelgräber auf dem „Homers“ bei Schwarza. Sie sind stille Zeugnisse einer jahrtausendealten Siedlungskontinuität.

Herkunft des Namens „Dolmar“

Der Name „Dolmar“ wird nach Ansicht einiger Historiker aus dem Keltischen abgeleitet. Dabei soll „dol“ für Tisch oder Tafel stehen, während „mar“, „mor“ beziehungsweise „muo“ mit Stein oder Steingeröll in Verbindung gebracht wird.

Diese Deutung erscheint besonders nachvollziehbar, wenn man den Berg von der Christeser Seite aus besteigt: Dort trifft man auf ausgedehnte Basaltgeröllfelder, die den Charakter des Dolmars bis heute prägen.

Verein der Dolmarfreunde e.V. - unser Tipp

Wer sich intensiver mit dem Dolmar und seiner Geschichte beschäftigen möchte, findet im Verein der Dolmarfreunde e.V. einen engagierten Ansprechpartner. Der Verein setzt sich für den Erhalt, die Pflege und die Vermittlung dieses einzigartigen Natur- und Kulturdenkmals ein und bietet Besuchern wertvolle Informationen rund um den Dolmar.

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