Der Fliegerberg am Dolmar in Thüringen zu DDR-Zeiten

Der Fliegerberg am Dolmar - Höhenflüge mit Geschichte

Der Dolmar als Wiege des Flugs in Thüringen

Am Himmel über Südthüringen ziehen Flugzeuge ihre Kreise. Ein Ultraleichtflugzeug setzt zur Landung an, während am Hang bunte Drachen im Wind stehen.

Was heute wie ein Freizeitidyll wirkt, hat eine lange und bewegte Vergangenheit: Der Dolmar ist seit fast einem Jahrhundert ein Ort des Fliegens.

Der Dolmar und der Fliegerberg in den 30iger Jahren

Ein Berg wird zum Flugplatz

Es begann in den 1920er Jahren – einer Zeit, in der das Fliegen noch Experiment und Abenteuer zugleich war.

Inspiriert von Pionieren wie Otto Lilienthal suchten Flugbegeisterte nach geeigneten Hängen für ihre Gleitversuche.

Der Dolmar bot ideale Bedingungen:

  • freie Flächen
  • günstige Winde
  • und eine Topografie, die Auftrieb versprach

Schon bald wurde der Berg zu einem Treffpunkt für Segelflieger. Erste Veranstaltungen fanden Ende der 1920er Jahre statt. Der Dolmar entwickelte sich damit zu einem der frühenden Flugzentren in Thüringen – wenn auch im Schatten der bekannteren Wasserkuppe.

Zwischen Aufbruch & Instrumentali­sierung

Gründung der Fluggemeinschaft

Mit der Gründung der Fluggemeinschaft in den 1930er Jahren begann die organisierte Nutzung. Flugschüler übten Starts und Landungen, einfache Hallen wurden gebaut, der Flugbetrieb professionalisiert. Der Dolmar war nun nicht mehr nur Experimentierfeld, sondern Ausbildungsstätte.

Doch die politische Entwicklung blieb nicht ohne Einfluss. Wie viele Flugplätze jener Zeit wurde auch der Dolmar in militärische Strukturen eingebunden. Segelflug diente zunehmend der Vorbereitung auf militärische Einsätze – ein Kapitel, das die Geschichte des Fliegens in Deutschland insgesamt prägt.

Stillstand an der Grenze

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Flugbetrieb zunächst wieder auf. Doch mit der deutschen Teilung änderte sich alles. Die Nähe zur innerdeutschen Grenze wurde zum Problem.

1967 kam das endgültige Aus:

Fliegen war hier nicht mehr erlaubt. Der Dolmar wurde Sperrgebiet, zeitweise von sowjetischen Truppen genutzt. Wo zuvor Segelflieger gestartet waren, herrschte plötzlich Stille.

Die Rückkehr in die Luft

Erst nach der Wiedervereinigung kehrte das Leben zurück. Engagierte Enthusiasten machten sich daran, die alte Tradition neu zu beleben. Aus dem einstigen Segelfluggelände wurde ein moderner Luftsportstandort.

Heute starten am Dolmar Ultraleichtflugzeuge, Motorschirme und Drachenflieger. Flugschulen bilden Nachwuchs aus, Veranstaltungen locken Besucher aus der Region und darüber hinaus. Das jährliche Fly-in hat sich längst zu einem festen Treffpunkt der Szene entwickelt.

Die Flugschule Dolmar am Fuße des Berges in Kühndorf

Ein Ort zwischen Vergangenheit & Gegenwart

Der Dolmar ist heute mehr als nur ein Fluggelände

Der Dolmar im Thüringer Wald ist ein Stück gelebte Technik- und Zeitgeschichte. Kaum ein anderer Ort in Thüringen vereint so eindrucksvoll die frühen Träume vom Fliegen mit der Realität moderner Luftsportarten.

Wer heute auf dem Gipfel steht und den Blick über die Landschaft schweifen lässt, sieht vielleicht nur einen ruhigen Berg. Doch in der Luft darüber lebt eine Tradition weiter, die vor fast hundert Jahren begann – mit einfachen Gleitern, viel Mut und dem Wunsch, dem Himmel ein Stück näher zu kommen.

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